Jason Fried: inspirierend einfache Ideen
Jason Fried hat eine sehr inspirierende Rede bei der diesjährigen Business of Software Konferenz in Boston gehalten. Er erzählt sehr anschaulich und offen, was hinter dem Erfolg von 37Signals steckt. Am meisten fasziniert die Einfachheit seiner Ideen und Konzepte, die sich gewiss von vielen Unternehmen adoptieren lassen.
“Momentum is like the secret weapon behind succesfull companies. You have to maintain momentum. Is like the fuel that fires moral and motivation.”
Normale Projekte zeichnen sich durch eine hohe Motivation am Anfang eines Projektes aus, die schnell nachlässt. Um so länger das Projekt, um so schwieriger den Schwung, das Momentum, zu halten. Das Ergebnis: Man möchte das Projekt einfach nur noch abschließen, die Qualität leidet.
Um dem entgegenzuwirken splittet 37signals ihre Projekte in kleine Teilprojekte, die nicht länger als zwei Wochen dauern.
“Planning is vastly overrated – get rid of abstractions. […] The closer you are to the real thing the more you tend to a real agreement”
Großartige Aussage. Was dahintersteckt ist die Einstellung, das jede Planung eine Abstraktion der Wirklichkeit ist die schnell den Bezug zur Realität verliert. Eine neue Funktion auf Papier hinzuzufügen entspricht oft nur einem neuen Paragraphen, eine neue Funktion zu implementieren bedeutet womöglich etwas zwischen 1 Stunde und 1 Monat Programmieraufwand.
Zudem werden die abstrahierten Dokumente von jedem anders interpretiert, was sich oft erst nach der Umsetzung zeigt. Daher: einfach umsetzen, möglichst schnell reale Ergebnisse diskutieren.
“Decisions are temporary […] Optimize for now […] What makes sense today?”
Viel zu oft verliert man sich in Diskussionen, was sein wird wenn … statt dessen sollte man sich auf das Jetzt konzentrieren. Sollte sich äußere Umstände ändern, ändern man das Produkt. Das ist das schöne an digitalen Mediensystemen. Sie sind weder aus Papier noch aus Stein.
“Red flags words: need, can’t, easy, everyone, nobody. These are the kind of words that cause projects to get wrong.”
Das ist mein Favorit. Unabdingbar für die Kommunikationen über Disziplingrenzen hinaus. Es gibt bestimmte Wörter, auf die man verzichten sollte. Zum Beispiel beurteilt das Wort “einfach” zu oft die Arbeit des Anderen, von dem man selbst für gewöhnlich nicht halb so viel Ahnung hat.
“Interruption is the enemy of productivity […] Interruption is not collaboration […] A fragmented day is not a productive day.”
Die Unterbrechung ist der Feind der Produktivität. Produktivität steigt mit der Zeit ohne Unterbrechung.
Jemanden zu unterbrechen ist gleichzusetzen mit der Annahme, mein Grund für die Unterbrechung sei wichtiger ist als das, woran der Andere gerade arbeitet. Ist dem wirklich so?
“Underdo your competition.”
Jason Fried setzt das gegenseitige Übertreffen mit Funktionen gleich mit dem kalten Krieg. Sehr interessante Parallele.
Durch diese Entwicklung entstehe ein Markt am unteren Ende bestehend aus “Nicht-Anwendern”. Nicht-Anwender, weil die Einstiegshürde, sei es Komplexität oder der Preis, einfach zu hoch geworden ist. Das ist der richtige Markt für neue Geschäftsideen, die sich gegen den “cold war” setzen.
“Concentrate on the things that don’t change […] What is important today and ten years from now.”
Softwareentwicklung ist fokussiert auf Veränderung, oft zu wenig auf den eigentlichen Kernnutzen der Anwendung.
“You need to thing about your product like it’s an museum. And you are the curator. You have to decide what comes in and what goes out. Curator’s job is to say no.Curator takes an entire universe of options to decide whether or not something makes it into a museum. If you think of your product as a museum and your features as art then you’re in charge. If you take all of the possible art and put it into a room it doesn’t make it a museum. All the art in the world in a single room isn’t a museum it’s a warehouse.”
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.